Die Lebensweise des Maulwurf

Der Maulwurf, wissenschaftlich als Talpa europaea bezeichnet, ist ein faszinierendes Säugetier, das in Europa weit verbreitet ist. Trotz seiner Bekanntheit bleibt sein Leben für viele Menschen ein Mysterium, da er sich meist unter der Erde aufhält. Die Lebensweise des Maulwurfs ist einzigartig und perfekt an die unterirdische Existenz angepasst.

Lebensraum und Verbreitung

Maulwürfe sind vorrangig in Wiesen, Gärten, Feldern und lichten Wäldern anzutreffen. Sie bevorzugen humusreiche, nicht zu trockene Böden, da diese leicht zu graben sind und einen hohen Anteil an Bodentieren, wie Regenwürmern und Insektenlarven, bieten. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich von West- bis Osteuropa, teilweise bis nach Zentralasien.

Der Maulwurf ist ein Einzelgänger und beansprucht ein eigenes Revier. Dieses kann je nach Nahrungsangebot zwischen 1000 und 4000 Quadratmetern groß sein. Innerhalb seines Reviers legt er ein komplexes System aus Tunneln an, das in verschiedene Abschnitte unterteilt ist: Nahrungsgänge, Nestkammern und Vorratskammern. Die bekannten Maulwurfshügel entstehen beim Graben, wenn überschüssige Erde an die Oberfläche befördert wird.

Bauweise und Tunnelsystem

Das unterirdische Netzwerk des Maulwurfs ist beeindruckend. Hauptgänge verlaufen oft 5 bis 20 Zentimeter unter der Erdoberfläche und dienen als Verkehrsadern durch das Revier. Von dort zweigen Seitengänge ab, die zu Nahrungsquellen oder Schlafplätzen führen. In tieferen Erdschichten, oft bis zu einem Meter unter der Oberfläche, befindet sich die zentrale Nest- und Vorratskammer, die mit Gras und Blättern ausgepolstert ist.

Das ständige Graben ist enorm kräfteraubend: Maulwürfe können an einem Tag bis zu 20 Meter Tunnel neu anlegen. Die charakteristischen, nach außen gestülpten Maulwurfshügel sind dabei ein Nebenprodukt ihres Bauens und dienen dem Abtransport der überschüssigen Erde.

Ernährung und Nahrungssuche

Maulwürfe sind ausgesprochene Fleischfresser. Ihre Hauptnahrung besteht aus Regenwürmern, Insektenlarven, Engerlingen, Schnecken und anderen wirbellosen Bodentieren. Ein erwachsener Maulwurf benötigt täglich etwa 80 bis 120 Prozent seines Körpergewichts an Nahrung, was etwa 40 bis 60 Gramm entspricht. Da sein Stoffwechsel sehr hoch ist, kann er bereits nach wenigen Stunden ohne Nahrung verhungern.

Zur Nahrungssuche patrouilliert der Maulwurf regelmäßig durch seine Gänge und nutzt sein feines Gehör und seinen Tastsinn, um Beute zu orten. Regenwürmer werden häufig lebend gelagert: Mit einem gezielten Biss lähmt der Maulwurf sie und bewahrt sie in Vorratskammern für schlechte Zeiten auf.

Sinne und Anpassungen

Die Augen des Maulwurfs sind winzig und von Haut überdeckt. Sie sind wenig leistungsfähig, da im Dunkeln Sehen kaum nötig ist. Viel wichtiger für den Maulwurf ist der Tastsinn. Die empfindlichen Tasthaare am Kopf und Körper registrieren feinste Erschütterungen des Bodens. Auch das Gehör ist hervorragend ausgeprägt. Die Nase des Maulwurfs ist besonders sensibel und für die Nahrungssuche unerlässlich.

Seine Vorderbeine sind zu kräftigen Schaufeln ausgebildet und seitlich am Körper angesetzt, um das Graben zu erleichtern. Die Schultermuskulatur ist enorm kräftig, was ihm das Durchdringen selbst kompakter Böden ermöglicht.

Fortpflanzung und Nachwuchs

Die Fortpflanzungszeit des Maulwurfs liegt zwischen März und Mai. Während dieser Zeit verlassen die ansonsten streng territorialen Tiere ihr Revier auf der Suche nach Paarungspartner*innen. Nach einer Tragzeit von etwa vier Wochen bringt das Weibchen im aufwendig ausgepolsterten Nest durchschnittlich drei bis fünf, selten bis zu sieben Jungtiere zur Welt.

Die Jungen sind bei der Geburt blind und nackt, entwickeln sich aber rasch. Nach rund vier Wochen verlassen sie das Nest und werden selbständig. Bereits im ersten Lebensjahr können sie geschlechtsreif werden, allerdings überlebt nur ein kleiner Teil der Nachkommen das erste Jahr, da sie vielen Gefahren ausgesetzt sind.

Feinde und Gefahren

In der Erde ist der Maulwurf relativ sicher vor vielen Feinden. Trotzdem stellen Greifvögel, Füchse, Marder und Katzen eine Gefahr dar, insbesondere für junge oder unerfahrene Tiere, die sich an die Oberfläche wagen. Hinzu kommen Bedrohungen durch den Menschen: Maulwürfe werden oft als Schädlinge betrachtet, weil ihre Hügel als störend empfunden werden, insbesondere auf gepflegten Rasenflächen und in Gärten.

Chemische Mittel, Fallen und die Zerstörung des Lebensraums führen dazu, dass die Population in manchen Gebieten rückläufig ist. Dabei ist der Maulwurf ein wichtiger Bodenverbesserer, da seine Grabtätigkeit den Boden lockert und durchmischt.

Zusammenleben mit dem Menschen

Obwohl der Maulwurf oft als Lästling betrachtet wird, bringt seine Tätigkeit viele Vorteile. Durch das Graben werden Böden belüftet, Ungeziefer reduziert und die Bodenstruktur verbessert. Maulwürfe fressen keine Pflanzenwurzeln und richten keinen direkten Schaden an Kulturpflanzen an. Konflikte entstehen meist nur dort, wo optisch störende Hügel entstehen, etwa in Parks, Sportanlagen oder Ziergärten.

Maulwürfe stehen in Deutschland und vielen anderen Ländern unter Naturschutz. Sie dürfen nicht getötet werden, und Maßnahmen zu ihrer Vertreibung müssen tierfreundlich sein.

Faszinierende Fakten

·         Maulwürfe können rückwärts graben und sich blitzschnell in ihren Gängen fortbewegen.

·         Ein einzelner Maulwurf kann in einem Jahr mehrere hundert Hügel aufwerfen.

·         Die Tiere haben einen sogenannten "Sechsten Sinn" für Magnetfelder, was ihnen        die Orientierung unter der Erde erleichtert.

·         Der Maulwurf kann auch unter Wasser kurze Zeit überleben, da er seine Atemfrequenz stark reduzieren kann.

Fazit

Der Maulwurf ist ein hochspezialisiertes Lebewesen, dessen Lebensweise eng mit dem Boden verbunden ist. Seine Fähigkeiten als Gräber, Jäger und Baumeister machen ihn zu einem unersetzlichen Bestandteil des Ökosystems Boden. Obwohl er gelegentlich als Störenfried gilt, überwiegen die positiven Aspekte seiner Anwesenheit. Ein genauerer Blick auf den Maulwurf enthüllt einen Meister der Anpassung und ein faszinierendes Leben im Verborgenen.

Lammering H&P, Schädlingsbekämpfung, Herten