Die Lebensweise der Deutschen Hornisse 

Die Deutsche Hornisse, wissenschaftlich als Vespa germanica bezeichnet, zählt zu den größten und auffälligsten sozialen Insekten Mitteleuropas. Trotz ihres Namens ist sie nicht auf Deutschland beschränkt, sondern kommt in weiten Teilen Europas, Asiens und sogar in einigen Regionen Nordamerikas vor. Die Deutsche Hornisse ist ein faszinierendes Beispiel für die hochentwickelte Organisation und das Zusammenleben in einem Hornissenstaat. Ihr Alltag ist geprägt von Arbeitsteilung, effizienter Kommunikation und beeindruckender Anpassungsfähigkeit an verschiedene Lebensräume.

Systematik und äußerliche Merkmale

Die Deutsche Hornisse gehört zur Familie der Faltenwespen (Vespidae) und unterscheidet sich von der bekannteren Europäischen Hornisse (Vespa crabro) durch einige äußerliche Merkmale. Sie erreicht eine Körperlänge von 18 bis 25 Millimetern, wobei Königinnen größer, Arbeiterinnen und Drohnen etwas kleiner sind. Der Körper ist gelb-schwarz gezeichnet und wirkt auf den ersten Blick wespenähnlich, doch bei genauerem Hinsehen fallen die kräftigeren Mandibeln und die massigere Gestalt auf.

Nestbau und Lebensraum

Deutsche Hornissen sind äußerst anpassungsfähig bei der Wahl ihres Nistplatzes. Sie bevorzugen hohle Bäume, Dachböden, Schuppen oder Erdlöcher, bauen ihre Nester aber auch in Mauerspalten oder Vogelnistkästen. Dabei verwenden sie zerkautes Holz und andere Pflanzenfasern, um die charakteristischen papierartigen Wabenstrukturen zu formen. Das Nest besteht aus mehreren, übereinanderliegenden Etagen, die von einer schützenden Hülle umgeben sind. Im Laufe des Sommers kann ein Hornissennest beachtliche Größen erreichen und mehrere Tausend Individuen beherbergen.

Staatenbildung und soziale Struktur

Das Leben einer Deutschen Hornisse spielt sich fast ausschließlich im Rahmen ihres Staates ab. Der Hornissenstaat besteht aus einer Königin, Arbeiterinnen und, gegen Ende des Sommers, auch aus Drohnen und jungen Königinnen. Die Königin ist das einzige geschlechtsreife Weibchen und für die Eiablage zuständig. Die Arbeiterinnen übernehmen die Aufzucht der Brut, das Sammeln von Nahrung, die Nestverteidigung und die Instandhaltung des Baus. Die Drohnen – männliche Tiere – haben die Aufgabe, die jung geschlüpften Königinnen zu begatten.

Die Arbeitsteilung ist streng hierarchisch organisiert: Während junge Arbeiterinnen zunächst im Nest bleiben und sich um die Larven kümmern, übernehmen ältere Tiere zunehmend Aufgaben außerhalb des Nests. Diese Organisation ist nicht starr, sondern ermöglicht ein hohes Maß an Flexibilität, sodass auf Umweltveränderungen rasch reagiert werden kann.

Nahrung und Jagdverhalten

Deutsche Hornissen sind echte Jägerinnen. Sie ernähren sich überwiegend räuberisch, indem sie Fliegen, andere Wespen, Raupen, Heuschrecken und zahlreiche weitere Insektenarten erbeuten. Mit ihren kräftigen Mandibeln zerteilen sie die Beute und tragen sie ins Nest, wo sie als Proteinquelle der Brut dient. Die erwachsenen Tiere selbst bevorzugen energiereiche Flüssignahrung wie Baumsäfte, Blütennektar, überreifes Obst oder Honigtau. Durch ihr Jagdverhalten leisten Hornissen einen wertvollen Beitrag zur Regulierung von Insektenpopulationen und werden daher als Nützlinge geschätzt.

Die Rolle der Larven

Eine interessante Besonderheit im Nahrungskreislauf ist der sogenannte „Larvensaft“. Die Larven sondern eine zuckerhaltige Flüssigkeit ab, die von den Arbeiterinnen aufgenommen wird. Als Gegenleistung füttern die Arbeiterinnen die Larven mit zerkauter Beute – ein ausgeklügeltes System gegenseitiger Versorgung.

Fortpflanzung und Jahreszyklus

Das Leben der Deutschen Hornisse ist geprägt von einem jährlich wiederkehrenden Zyklus. Im Frühjahr, meist im April, erwacht die im Vorjahr begattete Jungkönigin aus der Winterruhe. Sie sucht einen geeigneten Nistplatz und beginnt mit dem Bau der ersten Wabe, in die sie Eier legt. Die daraus schlüpfenden Arbeiterinnen übernehmen bald die Aufgaben im Nest, sodass sich die Königin auf die Eiablage konzentrieren kann.

Im Hochsommer erreicht das Hornissenvolk seine maximale Größe. Gegen Spätsommer werden männliche Drohnen und neue Jungköniginnen herangezogen. Nach der Paarung verlassen die begatteten Jungköniginnen das Nest, suchen einen geschützten Ort zur Überwinterung und verbringen dort die kalte Jahreszeit. Das alte Nest stirbt im Herbst ab; Königin, Arbeiterinnen und Drohnen überleben die kalte Jahreszeit nicht. Nur die jungen, begatteten Königinnen sichern die Fortsetzung der Art.

Kommunikation und Verteidigung

Die Kommunikation im Hornissenstaat erfolgt überwiegend über Duftstoffe (Pheromone), aber auch über Berührungen und Bewegungslaute. Gefahrensituationen werden durch spezielle Alarmpheromone angezeigt, die die Arbeiterinnen in erhöhte Alarmbereitschaft versetzen. Hornissen verteidigen ihr Nest durch Drohgebärden, lautes Fliegen und im Notfall durch schmerzhafte Stiche. Im Gegensatz zu Bienen können Hornissen ihr Gift mehrfach einsetzen, da ihr Stachel nicht im Opfer stecken bleibt.

Es gilt jedoch: Hornissen sind von Natur aus friedlich und greifen nur bei Bedrohung ihres Nests an. Ihr Gift ist für gesunde Menschen in der Regel ungefährlich, sogar weniger toxisch als das von Honigbienen. Die Legende, sieben Stiche einer Hornisse könnten ein Pferd töten und drei einen Menschen, gehört ins Reich der Mythen.

Hornissen und der Mensch

Hornissen besitzen einen schlechten Ruf und werden oft gefürchtet, dabei sind sie für den Menschen ungefährlich, sofern man ihr Nest respektiert. Im Gegenteil: Sie leisten als Insektenjäger einen wichtigen ökologischen Beitrag und stehen daher unter Naturschutz. In Deutschland dürfen Hornissennester nicht ohne behördliche Genehmigung entfernt oder zerstört werden.

Anpassung und Gefährdung

Trotz ihrer Anpassungsfähigkeit steht die Deutsche Hornisse vor verschiedenen Herausforderungen. Die Zerstörung von Lebensräumen, der Einsatz von Pestiziden und die Angst der Menschen führen immer wieder zu Bestandsrückgängen. Naturschutzinitiativen setzen sich für den Erhalt alter Bäume und für die Aufklärung über das friedliche Wesen der Hornissen ein.

Lammering H&P, Schädlingsbekämpfung, Herten