Die Lebensweise der Asiatische Hornisse
Die asiatische Hornisse (Vespa velutina nigrithorax), auch als Gelbfußhornisse bekannt, ist eine invasive Wespenart, die ursprünglich aus Südostasien stammt. In den letzten Jahrzehnten hat sie sich in weiten Teilen Europas, insbesondere in Frankreich, Spanien, Italien und seit einigen Jahren auch in Deutschland, ausgebreitet. Ihre Lebensweise unterscheidet sich in einigen Aspekten von der in Europa heimischen Hornisse (Vespa crabro).
Herkunft und Verbreitung
Die asiatische Hornisse ist ursprünglich in Ländern wie China, Indien, Thailand, Vietnam und Indonesien beheimatet. Um das Jahr 2004 wurde sie erstmals in Frankreich nachgewiesen, vermutlich eingeschleppt durch den internationalen Handel, etwa in Töpfen oder Holzkisten. Seither verbreitet sie sich rasant in Europa, da das milde Klima und das reichhaltige Nahrungsangebot ideale Bedingungen bieten. Inzwischen gibt es stabile Populationen in Spanien, Portugal, Belgien, Italien, Großbritannien und Deutschland.
Körperbau und Erkennungsmerkmale
Vespa velutina ist etwas kleiner als die heimische Hornisse, misst meist 2–3 cm, die Königin kann bis zu 3,5 cm lang werden. Typisch sind der überwiegend schwarze Körper, ein gelber Ring auf dem vierten Hinterleibssegment, gelbe Beine (daher der Name Gelbfußhornisse) und das rotbraune Gesicht. Damit lässt sie sich gut von anderen Wespen- und Hornissenarten unterscheiden.
Sozialverhalten und Organisation im Nest
Die asiatische Hornisse lebt wie alle sozialen Faltenwespen in einem komplexen Staatensystem, das aus einer Königin, Arbeiterinnen, Drohnen (Männchen) und später im Jahr neuen Königinnen besteht. Das Zusammenleben ist geprägt von einer klaren Arbeitsteilung:
· Königin: Sie gründet im Frühjahr ein neues Nest, legt Eier und sorgt für die Vermehrung des Staates.
· Arbeiterinnen: Sie bauen und verteidigen das Nest, pflegen die Larven und sammeln Futter.
· Drohnen: Ihre Hauptaufgabe ist die Begattung der Jungköniginnen im Spätsommer.
Das Leben eines Hornissenstaates beginnt mit einer einzigen, im Vorjahr begatteten Königin, die im Frühjahr aus der Winterruhe erwacht.
Nestbau und Nistplätze
Die asiatische Hornisse ist beim Nestbau sehr flexibel. Die Nester werden aus zerkautem Holz und Speichel gebaut, was ihnen das charakteristische papierartige Aussehen verleiht. Im Unterschied zur heimischen Hornisse, die oft Hohlräume in Gebäuden oder Baumhöhlen bevorzugt, hängt Vespa velutina ihre Nester meist offen in Bäumen, Gebüschen oder an Gebäuden auf. Anfangs baut die Königin ein kleines Primärnest, das später von den Arbeiterinnen in ein großes Sekundärnest mit mehreren Wabenetagen umgewandelt wird. Ein Nest kann zum Saisonende einen Durchmesser von bis zu 80 cm und mehrere tausend Individuen beherbergen.
Ernährung und Jagdverhalten
Die asiatische Hornisse ist ein geschickter Jäger und stellt eine erhebliche Gefahr für Honigbienen dar. Ihre Ernährung besteht hauptsächlich aus:
· Insekten: Besonders Honigbienen, aber auch Fliegen, Schmetterlinge und andere Wespen werden erbeutet, zerkleinert und an die Larven verfüttert.
· Fruchtsäfte und Nektar: Die erwachsenen Tiere nehmen gerne zuckerhaltige Flüssigkeiten auf.
· Aas und Fleischreste: Gelegentlich suchen die Hornissen auch menschliche Siedlungen auf, um dort Nahrung zu finden.
Auffällig ist das Jagdverhalten vor Bienenstöcken. Arbeiterinnen lauern am Flugloch und greifen einfliegende Bienen gezielt an. Dies kann zu massiven Verlusten bei Imkereien führen und die Bestäubung in der Landwirtschaft beeinträchtigen.
Fortpflanzung und Lebenszyklus
Der Lebenszyklus eines Nestes folgt einem klaren Jahresrhythmus:
· Frühling: Die Jungkönigin sucht einen geeigneten Nistplatz und baut ein Primärnest. Sie legt die ersten Eier, aus denen Arbeiterinnen schlüpfen.
· Sommer: Das Volk wächst schnell, das Sekundärnest entsteht. Die Arbeiterinnen übernehmen zunehmend alle Aufgaben, während die Königin nur noch Eier legt.
· Spätsommer/Herbst: Es werden Drohnen und Jungköniginnen produziert. Nach der Paarung verlassen die begatteten Jungköniginnen das Nest und suchen Winterschlafplätze.
· Spätherbst/Winter: Das alte Volk stirbt ab, nur die Jungköniginnen überleben im Boden oder in geschützten Spalten den Winter.
Feinde und natürliche Gegenspieler
In ihrem Ursprungsgebiet wird Vespa velutina durch verschiedene Vogelarten, Spinnen und größere Hornissenarten in Schach gehalten. In Europa hat sie bislang nur wenige natürliche Feinde, was ihre schnelle Ausbreitung begünstigt. Allerdings werden vereinzelt Greifvögel, wie der Wespenbussard, sowie einige Parasiten und Pilze beobachtet, die Nester befallen.
Rolle im Ökosystem und Auswirkungen
Als Räuberin reguliert die asiatische Hornisse Populationen anderer Insektenarten. Durch die massive Bejagung von Honigbienen gefährdet sie jedoch die Imkerei und damit indirekt die Bestäubung von Nutz- und Wildpflanzen. In Gebieten mit hoher Dichte kann die Art einheimische Insektenarten stark verdrängen und das ökologische Gleichgewicht beeinflussen.
Mensch und asiatische Hornisse
Für den Menschen stellt die asiatische Hornisse keine größere Gefahr dar als andere Wespenarten. Ihr Stich ist schmerzhaft, aber selten lebensbedrohlich. Aggressiv reagiert sie meist nur bei direkter Bedrohung des Nests. Problematisch ist jedoch ihre schnelle Ausbreitung und die daraus resultierenden Schäden für die Imkerei. Besonders betroffen sind ländliche Regionen mit hohen Bienenvorkommen.