Die Lebensweise des Marder
Der Marder gehört zu den faszinierendsten Kleinraubtieren Europas. Mit seinem schlanken Körper, dem buschigen Schwanz und den anmutigen Bewegungen ist er zwar ein heimlicher, aber dennoch präsenter Bewohner unserer Wälder, Dörfer und Städte. Doch wie lebt dieser geschickte Jäger eigentlich? Was zeichnet sein Verhalten aus, wie sieht sein Tagesablauf aus, und wie gliedert sich seine Anwesenheit in das Ökosystem ein?
Arten und Verbreitung
Zur Familie der Marder (Mustelidae) gehören zahlreiche Arten, die weltweit verbreitet sind. In Mitteleuropa sind vor allem zwei Arten besonders bekannt: der Steinmarder (Martes foina) und der Baum- oder Edelmarder (Martes martes). Während der Baummarder bevorzugt in ausgedehnten Wäldern lebt, ist der Steinmarder ein Meister der Anpassung und kommt auch in Siedlungen, Scheunen oder auf Dachböden vor. Beide Arten sind Einzelgänger, die ihr Revier mit Duftmarken kennzeichnen und verteidigen.
Lebensraum
Marder sind äußerst anpassungsfähig und bewohnen eine Vielzahl von Lebensräumen. Der Baummarder ist eher in naturnahen, dichten Wäldern zu finden, in denen er geschickt in den Bäumen klettert und jagt. Steinmarder hingegen haben längst auch den urbanen Raum für sich entdeckt: Sie leben in alten Gebäuden, auf Dachböden, Scheunen, aber auch in Motorenräumen von Autos, was ihnen manchmal den Ruf als „Kabelbeißer“ einbringt.
Marder legen Wert auf Deckung und Rückzugsmöglichkeiten. Baumhöhlen, Felsspalten, verlassene Nester oder eben menschliche Bauwerke dienen ihnen als Schlafplatz und Rückzugsort. Die Nähe zum Menschen ist für Steinmarder dabei kein Hindernis, sondern mitunter sogar vorteilhaft, weil sie dort leicht Nahrung finden.
Aktivitätsrhythmus und Verhalten
Marder sind vor allem dämmerungs- und nachtaktiv. Tagsüber ziehen sie sich in ihre Verstecke zurück und ruhen. Erst mit Einbruch der Dunkelheit werden sie aktiv, gehen auf Beutesuche oder erkunden ihr Revier. Dabei bewegen sie sich geschickt und leise, wobei sie problemlos klettern, springen und schwimmen können.
Das Revier eines Marders kann je nach Nahrungsangebot zwischen 10 und 200 Hektar groß sein. Weibliche Tiere haben meist kleinere, Männchen größere Reviere, die sich mitunter überschneiden können. Die Abgrenzung erfolgt über Duftmarken: Marder besitzen Analdrüsen, mit deren Sekret sie Bäume, Steine, oder auch Fahrzeuge markieren.
Ernährung
Marder sind ausgesprochene Allesfresser. Das Nahrungsangebot variiert je nach Art, Region und Jahreszeit. Hauptsächlich ernähren sie sich von kleinen Säugetieren wie Mäusen, Ratten oder Kaninchen, aber auch von Vögeln und deren Eiern. Daneben stehen Früchte, Beeren, Insekten, Regenwürmer oder Aas auf ihrem Speiseplan. Im Sommer und Herbst nutzen sie das reichhaltige Angebot an Obst, im Winter sind sie oft auf Vorräte angewiesen, die sie teils verstecken.
Häufig geraten Marder in Konflikt mit Menschen, wenn sie in Hühnerställe eindringen oder in Siedlungen Müll durchwühlen. Steinmarder sind zudem berüchtigt dafür, Kabel und Schläuche an Autos zu beschädigen. Dahinter steckt vermutlich Revierverhalten: Sie reagieren auf fremde Gerüche und wollen ihr eigenes Revier markieren.
Fortpflanzung und Aufzucht
Die Paarungszeit der Marder liegt im Sommer, oft zwischen Juni und August. Die eigentliche Geburt der Jungtiere erfolgt jedoch erst im folgenden Frühjahr, da die befruchtete Eizelle eine sogenannte Keimruhe einlegt. Nach etwa neun Monaten Tragezeit werden zwei bis fünf Jungtiere geboren, die in einer geschützten Höhle oder Nische zur Welt kommen.
Die Aufzucht übernimmt das Weibchen, das die Jungen säugt, wärmt und beschützt. Nach sechs bis acht Wochen beginnen die Jungtiere, die Umgebung zu erkunden, und ab dem dritten Lebensmonat nehmen sie feste Nahrung zu sich. Im Spätsommer sind die jungen Marder selbstständig und verlassen das Muttertier, um sich ein eigenes Revier zu suchen.
Sozialverhalten
Marder sind Einzelgänger und suchen die Gesellschaft anderer Artgenossen nur zur Paarungszeit. Ihr Revier verteidigen sie energisch, es sei denn, es handelt sich um das Revier eines Weibchens in der Paarungszeit. Begegnungen mit Artgenossen verlaufen meist friedlich, können aber bei Revierstreitigkeiten auch aggressiv werden.
Kommunikation findet hauptsächlich über Duftmarken, gelegentlich auch über Laute wie Knurren, Fauchen oder Schreien statt, vor allem bei Bedrohung oder in der Paarungszeit.
Anpassungsfähigkeit und Bedeutung für das Ökosystem
Die Anpassungsfähigkeit der Marder ist bemerkenswert. Sie nutzen unterschiedlichste Lebensräume, passen ihre Ernährung flexibel an und profitieren sogar von menschlicher Zivilisation. Sie sind wichtige Glieder der Nahrungskette: Als Jäger regulieren sie Kleintierbestände, beseitigen Aas und tragen zur Verbreitung von Samen und Beeren bei.
Dennoch gelten sie in einigen Regionen als Schädlinge, vor allem wenn sie Schäden anrichten oder Geflügelbestände dezimieren. In vielen Ländern sind Marder daher bejagt, in anderen geschützt. Die Balance zwischen Schutz und Regulierung ist eine ständige Herausforderung.
Gefahren und Feinde
Zu den natürlichen Feinden der Marder zählen größere Raubtiere wie Füchse, Uhus oder Adler. Auch der Straßenverkehr ist eine ständige Bedrohung, da viele Marder beim Überqueren von Straßen verunglücken. Krankheiten, Nahrungsmangel und Lebensraumverlust durch Bebauung setzen den Beständen zusätzlich zu.